Antisemitismus erkennen und gemeinsam bekämpfen
Vier Abende im Wissensturm beleuchten Geschichte und aktuelle Entwicklungen
Die Volkshochschule Linz widmet dem Thema Antisemitismus im Herbst 2026 eine vierteilige Vortragsreihe. Unter dem Titel „Alte Vorurteile – Neue Gefahr: Antisemitismus von den Anfängen bis heute“ beleuchten Wissenschaftler:innen historische Wurzeln, Verfolgung und Ermordung europäischer Jüd:innen während des Nationalsozialismus, das Fortleben antisemitischer Einstellungen nach 1945 sowie gegenwärtige Erscheinungsformen. Die Veranstaltungen finden von 12. Oktober bis 9. November 2026 jeweils montags im Wissensturm statt. Der Eintritt ist frei.
„Im städtischen Bildungsressort ist der Kampf gegen Antisemitismus ein wichtiger Schwerpunkt. Bildung kann Vorurteile nicht allein beseitigen, aber sie schafft Wissen und ordnet historische Zusammenhänge ein. Die Volkshochschule steht dafür, dass unterschiedliche Perspektiven sachlich diskutiert werden können. Wer die Geschichte des Antisemitismus kennt, kann Kontinuitäten und neue Erscheinungsformen leichter erkennen. Die Veranstaltungsreihe verbindet historische Verantwortung mit der Aufgabe, Respekt und demokratischen Austausch in der Gegenwart zu stärken“, betont Stadträtin Mag.a Eva Schobesberger.
„Volkshochschulen sind Orte demokratischer Bildung. Angesichts von erstarkendem Antisemitismus und Geschichtsverzerrung im digitalen Raum braucht es Bildungsangebote, die Orientierung geben und zum kritischen Denken anregen. Die VHS Linz leistet dazu einen wesentlichen Beitrag“, sagt Mag.a Katja Fischer, MAS, Leiterin des Fachbereichs Gesellschaft-Politik an der Volkshochschule Linz.
„Wollen wir dem Antisemitismus wirksam entgegentreten, müssen wir seine jüngeren und älteren historischen Wurzeln verstehen”, ergänzt Univ.-Prof. Mag. Dr. Ernst Langthaler, Institutsvorstand am Institut für Wirtschafts-, Sozial- und Umweltgeschichte an der Johannes Kepler Universität Linz.
Die Volkshochschule Linz setzt im Herbst 2026 einen Schwerpunkt auf die Auseinandersetzung mit Antisemitismus. Die Vortragsreihe „Alte Vorurteile – Neue Gefahr: Antisemitismus von den Anfängen bis heute“ zeichnet dessen historische Entwicklung nach und spannt den Bogen bis in die Gegenwart. Im Mittelpunkt stehen die Wurzeln antisemitischer Vorstellungen, die Verfolgung und Ermordung europäischer Jüd:innen im Nationalsozialismus, das Weiterwirken von Antisemitismus nach 1945 sowie aktuelle Erscheinungsformen.
Die Veranstaltungen finden von 12. Oktober bis 9. November 2026 jeweils montags von 19 Uhr bis 21 Uhr im Veranstaltungssaal E.09 des Wissensturms statt. Der Eintritt ist frei. Die Volkshochschule Linz veranstaltet die Reihe in Kooperation mit dem Institut für Neuere Geschichte und Zeitgeschichte sowie dem Institut für Wirtschafts-, Sozial- und Umweltgeschichte der Johannes Kepler Universität Linz. Die Österreichische Gesellschaft für Politische Bildung unterstützt das Angebot finanziell.
Die Veranstaltungsreihe greift damit ein Thema auf, dass wieder sehr aktuell ist. Die Antisemitismus-Meldestelle der Israelitischen Kultusgemeinde Wien registrierte österreichweit im Jahr 2025 insgesamt 1.532 antisemitische Vorfälle. Damit erreichte die Zahl der bei der Meldestelle dokumentierten Fälle den höchsten Wert seit Beginn ihrer Aufzeichnungen.
Antisemitismus ist kein Phänomen der Vergangenheit. Antisemitische Vorurteile und Ressentiments bestehen fort und haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Diese Entwicklung gibt Anlass zur Sorge und verlangt eine klare Auseinandersetzung mit Antisemitismus als Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.
Die vier Abende spannen bewusst einen weiten zeitlichen Bogen. Klemens Kaps vom Institut für Wirtschafts-, Sozial- und Umweltgeschichte der Johannes Kepler Universität Linz eröffnet die Reihe am 12. Oktober mit der Entwicklung vom vormodernen Antijudaismus zum modernen Antisemitismus. Am 19. Oktober beschäftigt sich Regina Fritz vom Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien mit der Verfolgung und Ermordung der europäischen Jüd:innen von 1933 bis 1945. Am 2. November folgt Isolde Vogel vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands mit einem Vortrag über Antisemitismus in Österreich nach 1945. Den Abschluss bildet am 9. November eine Podiumsdiskussion mit Ednan Aslan, Gerald Lamprecht und Regina Polak.
Die Veranstaltungen Antisemitismus-Reihe im Einzelnen:
Jeweils Montag, von 19 Uhr bis 21 Uhr, im Wissensturm, Saal E.09
- 12.10.2026
Wandel und Kontinuität: Vom vormodernen Antijudaismus zum modernen Antisemitismus mit PD Dr.Klemens Kaps, Institut für Wirtschafts-, Sozial-, und Umweltgeschichte, JKU Linz - 19.10.2026
Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Jüdinnen und Juden 1933-1945 mit Ass.-Prof.inMag.a Dr.in Regina Fritz, Institut für Zeitgeschichte, Uni Wien - 2.11.2026
Antisemitismus nach 1945 in Österreich mit Isolde Vogel, BA BA MA, Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) - 9.11.2026
Antisemitismus heute – Podiumsdiskussion mit Univ.-Prof. Dr. Ednan Aslan, MA; Institut für Islamisch-Theologische Studien, Uni Wien, Univ.-Prof. Dr. Gerald Lamprecht, Centrum für Jüdische Studien, Uni Graz, Univ.-Prof.in MMag.ª Dr.in Regina Polak, Institut für Praktische Theologie, Uni Wien
Moderation: Univ.-Prof. Dr. Marcus Gräser; Univ.-Prof. Mag. Dr. Ernst Langthaler, JKU Linz
Weitere Veranstaltungen
Ergänzend zur Vortragsreihe bietet die Volkshochschule Linz am 22. Oktober 2026 einen Besuch der Synagoge in der Bethlehemstraße 26 an. Dr.in Charlotte Herman führt durch die Synagoge und gibt Einblicke in die Grundprinzipien des Judentums, jüdische Feste, Bräuche und Lebensregeln sowie in die Geschichte der Jüdischen Gemeinde in Linz und Oberösterreich. Auch Unterschiede zum Christentum werden thematisiert. Die kostenlose Führung findet von 18.30 bis 20 Uhr statt.
Am 16. April 2027 bietet die Volkshochschule Linz eine Exkursion zur KZ-Gedenkstätte Mauthausen an. Der geführte Rundgang ermöglicht eine Auseinandersetzung mit den Perspektiven der Opfer, der Täter:innen und des Umfelds des ehemaligen Konzentrationslagers. Die Route führt vom Besuchszentrum entlang der Lagermauer und der Steinbruchkante über den Denkmalpark bis zum ehemaligen Häftlingslager. Der Rundgang findet von 9.15 bis 11.15 Uhr statt.
Am 24. April 2027 führt eine weitere Exkursion auf die Spuren der ehemaligen Konzentrationslager Gusen I und II. Bei einer etwa drei Kilometer langen Wanderung von St. Georgen nach Gusen vermittelt Prof. Kons.Ing. Rudolf A. Haunschmied die Geschichte des ehemaligen nationalsozialistischen KZ-Komplexes anhand zahlreicher Originalschauplätze. Die Route führt unter anderem an der früheren SS-Verwaltungszentrale, den Portalen des unterirdischen Flugzeugwerks „Bergkristall“, ehemaligen Bahnanlagen sowie den Arealen der Konzentrationslager Gusen I und II vorbei. Den Abschluss bildet das 1965 von Überlebenden errichtete Memorial Crematorium KZ Gusen. Die Exkursion findet von 13 Uhr bis 17.30 Uhr statt.
Die Antisemitismus-Reihe ist Teil eines breiteren gesellschaftspolitischen Programms der Volkshochschule. Das Jahresprogramm 2026/27 behandelt Demokratie und Menschenrechte ebenso wie gesellschaftliche Ungleichheit, Frieden und den Einfluss digitaler Entwicklungen auf demokratische Prozesse.
Text- und Fotoquelle: Stadt Linz