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am 19. Oktober

Linzer Hitzehalbjahr mit Rekord an Sommertagen und kaum Niederschlag

Eva Schobesberger - 101 Sommertage, 34 Tropentage, 9 Tropennächte, dazu kaum Niederschlag: Das ist die staubtrockene Bilanz des Linzer Hitzehalbjahres 2018. Auch der Herbst verläuft bisher zu warm und zu trocken – wir sind mitten in der Klimakrise

Die Klimakrise hat sich in unseren Straßen und Wohnzimmern breitgemacht. Das haben die Temperaturen im heurigen Sommer und in den vergangenen Herbstwochen deutlich gezeigt. MeteorologInnen sprechen vom zweitwärmsten Frühling seit Beginn der Messaufzeichnungen im Jahr 1767. Nachdem wir bereits im vergangenen Jahr den drittwärmsten Sommer der Messgeschichte erlebt haben, zeigen die Daten der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), dass wir in Linz heuer einen Rekord an Sommertagen (25 Grad oder mehr) erlebt haben. 


101 Tage mit mehr als 25 Grad 


An 101 von insgesamt 183 Tagen sind zwischen 1. April und 30. September Temperaturen von 25 Grad Celsius oder mehr im Linzer Stadtgebiet gemessen geworden. Somit wurde erstmals im langjährigen Vergleich eine dreistellige Anzahl an Sommertagen erreicht. Zum Vergleich: Seit dem Jahr 1975 hatten wir in Linz zwischen April und September durchschnittlich 56 Sommertage pro Jahr und somit beinahe halb so wenig wie heuer. Ein Blick auf die letzte abgeschlossene Klimanormalperiode von 1981 bis 2010 (eine komplette Klimanormalperiode dauert immer 30 Jahre) zeichnet mit ebenfalls rund 56 Sommertagen ein ähnliches Bild. 

Die Zahl der Sommertage zischen April und September. Quelle: ZAMG

Ein ähnliches Bild zeigt die Statistik bei den sogenannten Tropentagen (30 Grad oder mehr) an denen das Thermometer auf 30 Grad oder darüber geklettert ist. Zwischen April und September war das an 34 Tagen der Fall. Alleine im August sind 19 Tropentage gemessen worden. Der heißeste gemessene Tag war dabei der 9. August mit 36 Grad Celsius. Der langjährige Durchschnitt an Tropentagen zwischen April und September beträgt rund 12 Tage. Die Folge der langen Hitzeperiode war, dass es auch in den Nachtstunden zu immer weniger Abkühlung gekommen ist. 9 Tropennächte (20 Grad oder mehr) an denen es das Thermometer nicht unter die 20-Grad-Marke gefallen ist, haben wir im heurigen Jahr erlebt.        

AUF DEM TROCKENEN: KAUM NIEDERSCHLAG IN LINZ 

 

Besonders besorgniserregend hat sich der Hitzesommer 2018 auf den Niederschlag ausgewirkt. MeteorologInnen haben den trockensten Sommer seit Beginn der Messaufzeichnungen gemessen. In Linz hat die Niederschlagshöhe zwischen April und September gerade einmal 253 Liter pro Quadratmeterbetragen. Das ist der niedrigste Wert der vergangenen 44 Jahre. Seit 1975 hat die der Niederschlag von April bis September durchschnittlich rund 492 Liter pro Quadratmeterbetragen. 

Ungewöhnlich warm ist es aber nicht nur im Sommer, sondern bisher auch im Oktober gewesen. Mit Ende der vergangenen Woche lag die Temperatur um 1,3 Grad Celsiusüber dem langjährigen Mittel, die Niederschläge sind auch im Oktober fast völlig ausgeblieben. Es zeigt sich, dass die Sommer immer heißer und trockener werden, wie das KlimaforscherInnen bereits seit Jahren voraussagen. Besonders besorgniserregend ist das Ausmaß dieser Entwicklung.


WELTKLIMARAT ZEIGT MÖGLICHE FOLGEN DER KLIMAKRISE AUF  


Wie dringend der Handlungsbedarf ist, um die schlimmsten Folgen der Klimakrise abzuwenden, hat vor kurzem auch der Weltklimarat in einem Sonderbericht deutlich gemacht. Eine Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Niveau sei nur noch durch „schnelles und weitreichendes“ Handeln möglich, so ExpertInnen in dem Bericht. Jede weitere Erwärmung, besonders über 1,5 Grad hinaus, vergrößert die Gefahr langanhaltender oder nicht mehr umkehrbarer Veränderungen, wie dem Verlust von Öko-Systemen“, so der Kieler Klimaforscher Hans-Otto Pörtner im Sonderbericht des Klimarates.

Trotz dieser Erkenntnisse handelt die schwarz-blaue Bundesregierung gegenteilig. Sei es Tempo 140 auf Autobahnen, das neue Standortentwicklungsgesetz, das im vorliegenden Entwurf die Bedeutung des UVP-Gesetzes vollkommen aushöhlt, oder die jüngst bekanntgewordenen Pläne, dass Umwelt-NGOs aus Umweltverträglichkeits-Prüfungsverfahren gedrängt werden sollen. Bei all diesen Maßnahmen sind die Umwelt, unser Lebensraum und unsere Gesundheit der große Verlierer. So wird sich die Klimakrise jedenfalls nicht aufhalten lassen.

Besonders viel zu tun, bleibt in Österreich in der Verkehrspolitik, bei der nach wie vor das Auto und nicht der öffentliche Verkehr im Mittelpunkt steht. Alleine in Linz werden zwei Autobahnschneisen mitten durch unsere Stadt vorangetrieben, bei wichtigen öffentlichen Verkehrsprojekten wie der 2. Schienenachse herrscht hingegen Stillstand. Dabei leiden wir bereits jetzt unter schlechter Luft und regemäßiger Überschreitung der Grenzwerte. Völlig unverständlich ist in diesem Zusammenhang, dass trotz des Diesel-Skandals die Regierung keine Nachrüstungsangebote für BesitzerInnen älterer Diesel-Pkw andenkt.  


KÜHLE KÖPFE DANK NATÜRLICHER KLIMAANLAGEN 


Klar scheint angesichts der Prognosen, dass wir uns auch in den kommenden Jahren auf heiße und trockene Sommer einstellen müssen. Besonders deutlich spürbar sind die Auswirkungen von Hitzewellen in der dicht verbauten Innenstadt. „Umso wichtiger sind daher Maßnahmen, damit das Leben in unserer Stadt auch an heißen Tagen möglichst erträglich bleibt“, ist Schobesberger überzeugt. Um Möglichkeiten zu eruieren, wie die Entstehung städtischer Überhitzung verhindert werden kann, nimmt das städtische Umweltmanagement am EU-Projekt „Clarity“ teil. 

Im Umweltressort wird dabei die Entwicklung von Maßnahmen speziell untersucht, um sogenannte Hitzeinseln zu reduzieren. Basis dafür sind spezielle Klimamodelle, mit denen verschiedenste Szenarien dargestellt werden können. Die Ergebnisse sollen bis Mai 2020 vorliegen. Insgesamt nehmen am Clarity-Projekt 17 PartnerInnen aus fünf Ländern teil. Durch die Teilnahme möchten wir den Nutzen von verschiedenen „Kühlungsmaßnahmen“ für Linz herausfinden. Fest steht, dass wir auch zum Schutz der Gesundheit der LinzerInnen das innerstädtische Grün schützen und ausbauen müssen. 


DIE GRÜNEN INITIATIVEN ZUM HITZSCHUTZ


Daher hat sich auch die Grüne Gemeinderatsfraktion im vergangenen Jahr mit verschiedenen Vorschlägen im Gemeinderat dafür eingesetzt, um den Ausbau des Innenstadtgrüns voranzutreiben. Hier eine Übersicht der Grünen Initiativen.   

  • Ausbau der Grünflächen: Grünanlagen sind die besten natürlichen Klimaanlagen, die noch dazu keinen Strom verbrauchen. So kühlt ein Baum die Temperatur in der Umgebung um bis zu drei Grad Celsius. Daher muss der Erhalt und Ausbau der Grün- und Parkanlagen sowie der grünen Innenhöfe in der Stadtentwicklung eine zentrale Rolle spielen. 
  • Fassaden- und Dachbegrünungen fördern: Nicht nur in Parks oder Gärten, auch auf Hausfassaden und Dächern trägt eine Begrünung zu einem angenehmeren Stadtklima bei. Untersuchungen der Wiener Umweltschutzabteilung ergeben, dass eine grüne Wand mit 850 Quadratmetern so gut wie 75 Klimageräte kühlt, die mit 3000 Watt acht Stunden laufen.
  • Grünräume in der Stadtplanung mitdenken: Wenn neue Gebäude oder Stadtteile geplant werden, finden viele wichtige Aspekte Berücksichtigung. An entsprechende Grünräume bzw. deren Gestaltung wird dabei oft zu wenig gedacht. So sitzt in der Linzer Stadtplanung mittlerweile auch kein(e) GrünraumplanerIn mehr. Das wollen wir ändern und haben gefordert, dass eine entsprechende Stelle geschaffen und besetzt wird.  
  • Entwicklung eines „Urban Heat Islands Strategieplans“:Die Stadt Wien hat auf die aktuellen Gegebenheiten bereits reagiert und einen „Urban Heat Islands Strategieplan“ erstellt, um der Sommerhitze mit tauglichen Maßnahmen zu begegnen. Daher wollen wir ein solches Konzept auch für unsere Stadt. Besonderes Augenmerk soll dabei auf Maßnahmen zum Schutz und Ausbau der Grünflächen gelegt werden.  




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