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Wohin entwickelt sich die soziale Musterstadt?

Marie Edwige Hartig - Gut entwickelt hat sich Linz in den vergangenen Jahrzehnten beim sozialen Angebot. Ob die Vorreiterrolle, die unsere Stadt im österreichweiten Vergleich einnimmt, noch lange Bestand hat, ist jedoch fraglich. Denn trotz früherer Ankündigungen von führenden SPÖ-Politikern, das Sozialangebot vom städtischen Sparkurs auszunehmen, finden sich nun immer mehr Maßnahmen, die diesen Bereich treffen.

Einschnitte im Sozialbereich sind besonders gefährlich, da dadurch am Zusammenhalt der Gesellschaft und an der Zukunft unserer Stadt gespart wird. Dennoch gibt es zahlreiche Sparvorhaben, die genau diesen Bereich betreffen. Schließlich spielen niederschwellige Zugänge zu Beratungen, Vernetzungstreffen und Begegnungen in konsumfreien Räumen eine wichtige Rolle beim gesellschaftlichen Zusammenhalt innerhalb eines Stadtviertels. Nicht außer Acht gelassen werden darf auch die präventive Wirkung, die flächendeckende Sozialangebote mit sich bringen. Dadurch können Probleme rasch angegangen und schlimmere Folgen, die schwieriger zu reparieren wären, verhindert werden.

Pläne für weitere Stadtteilzentren nicht aufgeben!

Die Errichtung von sieben Stadtteilzentren hat der Linzer Gemeinderat im Jahr 2012 beschlossen. Mehr als vier Jahre später gibt es zwei derartige Einrichtungen (in Auwiesen und im Franckviertel) Dort finden die Bewohner bei verschiedensten Angelegenheiten rasche und kompetente Hilfe­– etwa bei Fragen der Erziehung und der Sozialberatung. Die Pläne für die übrigen fünf Stadtteilzentren sind hingegen in der Schublade verschwunden. Das bestätigte SPÖ-Sozialstadträtin Karin Hörzing bei ihrer Beantwortung einer Gemeinderatsanfrage. Begründung: Zu wenig finanzielle Ressourcen. Dieses Argument ist nur die halbe Wahrheit. Zwar spart die Stadt an der Zukunft. Beim Ordnungsdienst spielt Geld hingegen keine Rolle.

Dabei sind Stadtteilzentren nicht nur wegen des Beratungsangebotes wichtig, sondern spielen auch bei der Vernetzung der BürgerInnen in den Stadtteilen eine wesentliche Rolle. Schließlich gibt es immer weniger Möglichkeiten, sich in konsumfreien Räumen zu treffen und auszutauschen. Gibt es solche Angebote nicht, steigt die Gefahr, dass sich die Menschen in den eigenen Stadtteilen fremd werden.

Sparen auf Kosten der Jugendlichen muss ein Ende haben

Sich außerhalb der vier Wände des Elternhauses an einem konsumfreien Ort treffen, gemütlich quatschen oder mit kompetenten BeraterInnen über Sorgen und Probleme reden, die man mit den Eltern lieber nicht besprechen möchte: Jugendzentren sind ein wichtiger Bestandteil des sozialen Angebotes einer Stadt. Dennoch wird in Linz seit Jahren auf Kosten der Jugendlichen gespart. Bereits im Jahr 2014 hat der städtische Verein „Jugend und Freizeit“ drei Treffpunkte geschlossen und bei weiteren Angeboten die Öffnungszeiten reduziert. Nun ist die Schließung des Jugendzentrums riff am Spallerhof geplant. Außerdem streicht die Stadt die Förderung für das Kandlheim, in dem sich ebenfalls ein Treffpunkt befindet. Gegen letztere Maßnahme hat sich bereits Widerstand gebildet.

Argumentiert wird die Schließung stets damit, dass die Jugendlichen heutzutage mobiler sind als früher. Das stimmt zwar, aber wenn ein Jugendzentrum weit entfernt ist, wird ein Teenager den Weg dorthin wohl eher nicht auf sich nehmen, als wenn die Einrichtung ums Eck zu finden wäre. Noch dazu, da eine Befragung ergeben hat, dass sich Teenager mehr Platz wünschen, wo sie verschiedenste Aktivitäten ausüben können. Die Stadt macht aber das Gegenteil und handelt somit gegen das Interesse der Jugendlichen.

Clubs Aktiv als wertvolle soziale Nahversorger

Nicht nur bei den Jugendlichen, auch am sozialen Angebot für die älteren MitbürgerInnen unserer Stadt soll gespart werden. Konkret sollen bei den Clubs Aktiv und den Tageszentren 100.000 Euro jährlich eingespart werden. Das wird ohne Schließung von einzelnen Standorten nicht möglich sein. Dabei ist es gerade für SeniorInnen, die teilweise nicht mehr so mobil sind, wichtig, dass es in ihrem Stadtteil entsprechende Angebote gibt. Vor allem für Alleinstehende sind die Treffen in den Clubs Aktiv oft der einzige Sozialkontakt. Wird das Angebot ausgedünnt, verstärkt das die Vereinsamung von SeniorInnen.

Ebenfalls vom sozialen Sparpaket betroffen, sind auch die Eltern-Kind-Zentren. Hier ist ebenfalls von „Optimierungen“ sprich Einsparungen die Rede. Damit würde erneut ein niederschwelliges Angebot in den Stadtteilen reduziert, das für Eltern in spe bzw. frischgebackene Mütter und Väter einen wichtigen Austausch mit Gleichgesinnten ermöglicht.

Aktivpass ermöglicht Teilhabe an der Gesellschaft

Eines der wichtigsten Instrumente gegen soziale Ausgrenzung ist der Aktivpass. Dank diesem Ausweis können Menschen, die monatlich netto nicht mehr als 1.205 Euro zur Verfügung haben, viele Leistungen zu einem verringerten Preis in Anspruch nehmen. Zum Beispiel kostet ein Monatsticket für die Linz-Linien für Aktivpass-BezieherInnen nur zehn Euro. Auch bei Museen und anderen Bildungs- und Kultureinrichtungen werden vergünstigte Eintritte angeboten. Dadurch wird Menschen, die über wenig finanzielle Ressourcen verfügen, die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben und der Zugang zur Fortbildung ermöglicht. 42.657 Personen profitieren derzeit von diesem Angebot.

Dass der Aktivpass eine Individualleistung ist, ist vor allem für Frauen entscheidend. Schließlich gibt es nach wie vor Frauen, die von ihren Männern finanziell abhängig sind. Durch den Aktivpass ist es für sie möglich, mobil zu bleiben und am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können.

Sozialarbeit als wichtige Präventionsmaßnahme

Auch wenn die Effekte von Präventionsmaßnahmen schwer messbar sind, ist diese Arbeit ungemein wichtig. Nur so können Probleme in Angriff genommen werden, bevor sie eskalieren und schlimmere Konsequenzen für Einzelpersonen oder eine größere Gruppe zur Folge haben. Bei den Bemühungen, in Notlagen gekommene Personen früh zu helfen und ihre Schwierigkeiten möglichst rasch zu überwinden, spielen Streetworker eine wichtige Rolle. Gerade Menschen, die auf der Straße sitzen, für ihren Lebensunterhalt betteln müssen oder mit Drogen in Kontakt gekommen sind, kann durch den Einsatz der SozialarbeiterInnen effizient geholfen werden, um den Weg zurück in geregelte Bahnen zu finden. Deshalb ist es wichtig, die Streetwork-Arbeit auszubauen, anstatt lediglich Verbote zu erlassen. Dadurch werden die Probleme nur in andere Stadtgebiete verlagert aber nicht gelöst. Gerade in öffentlichen Freiräumen braucht es deshalb eine sozialraumorientierte Gemeinwesenarbeit. Schließlich geht es darum, gemeinsam mit den BürgerInnen und ihren unterschiedlichen Interessen den Lebensraum im jeweiligen Stadtteil so zu gestalten, dass sich möglichst alle wohl fühlen und die verschiedenen Bedürfnisse berücksichtigt werden.

Begrüßenswert ist in diesem Zusammenhang, dass Sozialstadträtin Hörzing angekündigt hat, dass der Verein B37 seine sozialarbeiterischen Ressourcen aufstockt und die Stadt eine temporäre Finanzierung zur Aufstockung des Personaleinsatzes vorbereitet. Das ist aber nur ein kleiner Baustein. Auch die Vereine „Substanz“ und „Point“, die eine Tagesstruktur und Beratung für Drogensüchtige anbieten, brauchen mehr als dringend personelle Ressourcen. Es braucht ein gesamtes Bekenntnis zur Sozialarbeit in unserer Stadt. 

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