Bezirkegruene.at
Navigation:
am 24. Juni 2013

Preisträgerin 2013

Eva Schobesberger - Trägerin des Gabriele-Heidecker-Preises 2013: Margit M. Greinöcker

Gabriele-Heidecker-Preis 2013

Die 1974 geborene Linzer Künstlerin Margit M. Greinöcker konnte die Jury von ihren Arbeiten, vor allem mit ihrem Projekt „Kopftücher - in ‚traditionell‘ österreichischer Bekleidung unterwegs im Stadtteil Fatih in Istanbul“ überzeugen. Wie der Titel bereits vermittelt, begab sich die Linzerin mit Dirndl und Kopftuch nach Istanbul und dort in den konservativ-religiös geprägten Stadtteil Fatih und beobachtete und dokumentierte dabei die Reaktionen der örtlichen Bevölkerung. Das Ergebnis ist eine Untersuchung in zwei Bildgeschwindigkeiten, Video und Stills. Margit M. Greinöcker arbeitet an der Schnittstelle Architektur & Kunst und untersucht mit ironischem Blick die gebaute und gelebte Umwelt mit den Medien Video/Audio/Foto/Modell.

Kopftücher
M. Greinöcker (Kamera: T. Hagleitner), Istanbul 2010, Video/Videostills
In „traditionell“ österreichischer Bekleidung unterwegs im Stadtteil Fatih in Istanbul.

In einer früheren Zeit erzählten Kleider, welchem Stand oder welcher Zunft wir angehörten – teils unumstößlich. 2013, im Zeitalter des textilen Überflusses, sind die Schränke gefüllt mit tausend tollen Sachen. Doch bei aller Freiheit der Kleiderwahl erzählen die Hüllen dennoch über unsere Zugehörigkeit oder Herkunft. Bei den Leuten auf der Straße, im Menschengetümmel, kategorisieren wir anhand der Kleidung: Wir lesen, wer die Menschen sind mit all ihren unterschiedlichen Konzepten und Normen vom Leben oder von sich selbst.  Sie Kleider zeigen religiöse, manchmal auch politische Haltungen, sie machen eine zeitliche oder geografische Zuordnung ihrer TrägerInnen möglich, sie unterstreichen Charakterzüge oder Eigenarten und: sie sind zumeist geschlechtsspezifisch. Je nach Kontext bewirken sie gesellschaftliche Akzeptanz und Anerkennung oder aber Desinteresse oder gar Verachtung. Meine Großmutter trug immer Kopftuch. Ich nicht. Als ein Überbleibsel dieser bäuerlich-traditionellen Kleidungskultur ist aber ein Dirndl mit passendem Kopftuch in meinen Besitz übergegangen. Wenn ich es zuhause schon nicht anziehe (nicht zuletzt aus oben genannten Gründen), dann könnte ich es wenigstens in der Ferne einmal ausführen, dachte ich, und packte die Sachen kurzerhand in den Koffer für eine Reise nach Istanbul. So fand ich mich im traditionell-österreichischen Gewand in Fatih wieder, einem eher konservativ-religiös geprägten Stadtteil Istanbuls, und war neugierig, was wohl passieren würde... Das Ergebnis ist eine Untersuchung in zwei Bildgeschwindigkeiten, Video und Stills.

Begründung der Jury

Im Rahmen der Jurysitzung am 8. Mai 2013 im afo - architekturforum oberösterreich konnten wir einen einstimmigen Beschluss fassen, der von den Fachjurorinnen Medienkünstlerin Prof.in  Dr.in h.c. VALIE EXPORT, Univ. Prof.in Dipl.-Ing. Dr.in Sabine Pollak, Bürgermeisterin Ulrike Böker sowie der Rektorin der Akademie der bildenden Künste Mag.a Eva Blimlinger wie folgt begründet wurde:

„Unabhängig welches künstlerische Medium Greinöcker wählt, ob Performance Installation, Kurzfilm, Video oder Foto, immer konzentriert sie sich in ihrer künstlerisch/künstlerisch-wissenschaftlichen Arbeit darauf, eine Idee, ein Konzept mit ironischem, manchmal gar spöttischem Blick umzusetzen – und es ist oft der Blick auf Geschlechterungerechtigkeiten. Margit M. Greinöcker bezieht sich in ihren Arbeiten auf gesellschaftliche Geschlechterverhältnisse und exponiert diese im öffentlichen Raum mit Audio- und Videoarbeiten, mit Interventionen und Installationen, Performances und Aktionen und entwickelte damit ihre interdisziplinäre Zugangsweise zwischen Architektur, bildender- und Medienkunst, zwischen wissenschaftlichen und künstlerischen Vorgangsweisen, zwischen Theorie und Praxis. Immer wieder sucht sie die Zusammenarbeit mit KünstlerInnen und bezieht bei Performances die PassantInnen wie zum Beispiel in „Studie zur Magie der Seifenblasen“ in ihre Präsenz gleichberechtigt ein.

In der Arbeit Kopftücher (Kamera: Tobias Hagleitner, Istanbul 2010, Video/Videostills) -  in „traditionell“ österreichischer Bekleidung unterwegs im Stadtteil Fatih in Istanbul - gelingt es der Künstlerin die politische Diskussion über das Tragen von Kopftüchern von muslimischen Frauen in eine ästhetische Umkehrung zu fassen. Sie begibt sich mit Dirndl und Kopftuch nach Istanbul und dort in den konservativ-religiös geprägten Stadtteil Fatih. Das Ergebnis ist eine Untersuchung in zwei Bildgeschwindigkeiten, Video und Stills, die all die Fragen und Vorurteile mit paradoxer – regionaler/internationaler – Intervention neu stellt, ohne das Antworten erforderlich sind.

In überzeugender und bestechender Weise gelingt es Margit M. Greinöcker feministische Themen künstlerisch zu transformieren und dabei Irritationen im Schauen und Urteilen zu generieren.“

Margit Greinöcker

 ...geboren in Grieskirchen und viele Jahre in Kleinstroheim verbracht, später Ausbildung zur Technischen Zeichnerin/Maschinenbau. Nach einem kleinen Umweg, der nach Mexiko führte, Umzug nach Linz um das Architekturstudium an der Kunstuniversität Linz zu absolvieren. Seither liegt der Schwerpunkt der künstlerischen Arbeit an der Schnittstelle Kunst und Architektur. Erforscht werden die gebaute und gelebte Umwelt.

Aktiv  werden.  Das  ist  Grün.  Banner  rechts.