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am 27. Mai 2013

Preisträgerin 2012

Eva Schobesberger - Bernadette Huber - Preisträgerin 2012

Gabriele-Heidecker-Preis 2012

Die Gabriele Heidecker-Preisträgerin 2012 wurde in Linz geboren und lebt und arbeitet in Steyr. 1997 war sie Gasthörerin an der Medienhochschule Köln (Klasse Medienkunst, Valie Export), erhielt mehrere Auslandsstipendien für Bildende Kunst (Krakow 1997, Ceský Krumlov 1999), Medienkunst (Köln) und künstlerische Fotografie (London 2004, Rom 2012) sowie 1999 das Österreichische Staatsstipendium für Bildende Kunst. Neben reger Ausstellungstätigkeit (zuletzt u.a. Leopold Museum Wien, Festival der Regionen) u.a. in OÖ, Wien, Ceský Krumlov, Budapest, Berlin, Krakow und Rom nahm sie an Film- und Videofestivals teil (u.a. Diagonale Graz; European Media Art Festival, Osnabrück) und realisierte permanente und temporäre Projekte im öffentlichen Raum in OÖ.

Ihre multimedialen bzw. medienübergreifenden Arbeiten thematisieren Menschen in gesellschaftlichen Randpositionen, Männerbilder, Frauenbilder, Rollenklischees. Durch Rollenumkehr bringt sie ironisierend Klischees zum Kippen.

Menschen, die sonst nicht viel mit Kunst zu tun haben, zu erreichen, ist ein zusätzliches Anliegen der Künstlerin. Im Rahmen des Festivals der Regionen 2011 nahm sie dessen Titel "Umsteigen" beim Wort, indem sie die Bahnhofsunterführung Attnang-Puchheim mit der begehbaren Textinstallation Aussteigen, Umsteigen, Einsteigen ... ausstattete - zwischen Ankunft und Ausgang wird hier umgestiegen im Wort selbst. Die Linearität von Sprache und Schrift wird zum körperlich erfahrbaren Weg, der Kommunikationspfad aber zum spielerischen Missverständnis. Dadurch öffnen sich assoziative Räume.

Bar NADETTE - Die Macht des Tratsches - the power of gossip. Ein Stresstest für Steyrdorf (gemeinsam mit Christina Hinterleitner). Dagegen war die 2008 medial und in situ angekündigte Eröffnung des (fiktiven) Nachtclubs Bar NADETTE in Steyr auf einen "Stresstest" für alle angelegt, die mit diesem Kunstprojekt in Berührung kamen - BewohnerInnen des Stadtteils ebenso wie MitarbeiterInnen des Rathauses. Tratsch, Beschwerden und behördliche Weisungen begleiteten dieses Kunstprojekt aufgrund der auf realer und virtueller Ebene vollzogenen Publikation des Tabuthemas "Ware:Liebe" bis hin zu seiner öffentlichen Enthüllung als Fake. Die Website zu diesem Kunstprojekt (www.BarNADETTE.at) ist weiterhin online und abrufbar.

Auf Irritation angelegt war auch das Projekt Der Himmel über Garsten ist <drinnen> und <draußen> immer der gleiche im Rahmen eines Kunstprojekts der Justizanstalt Garsten 2010. Auf zwei Werbeflächen an einer Hauptverkehrsstraße affichierte Huber das Bild der Gefängnismauer von Garsten - einmal von außen und einmal von innen, beide Male mit Blick auf den Himmel...

1998 erweiterten Bernadette Huber und Tassilo Blittersdorff und mit einer Video-, Licht- und Computerinstallation das Denkmal des Waffenproduzenten Josef Werndl in Steyr zu einer in mehrfach wirksamen öffentlichen Medienbasis. So konnten u.a. die BesucherInnen durch das Betätigen des Abzugshahnes eines sonst funktionsuntüchtigen Gewehres eine Computerstatistik abrufen und die Beleuchtung des Denkmals ändern.

Mit Ausland Seite 5 ist ein mehrteiliges Projekt betitelt, das zuerst (1996) als Buchobjekt umgesetzt wurde: eine Zusammenstellung von 25 fiktiven Kronenzeitungsseiten, die "schöne Männer" in verschiedenen Aktposen samt dazugehörigem Text präsentieren. Das 2009 in Linz realisierte mehrmonatige Ausstellungsprojekt TRAISEN einem ehemaligen Donau-Zugschiff im Hafen von Linz wurde bei der Einreichung nicht vorgelegt, wird aber bei der Preisverleihung präsentiert. Zur Darstellung kamen u.a. Funktion und Geschichte des Schiffs sowie der zweijährige Prozess der Renovierung mittels Langzeitarbeitslosen durch das AMS. www.dieTraisen.at

Begründung der Jury:

Im Rahmen der Jurysitzung am 23. März 2012 im afo - architekturforum oberösterreich wurde von den Fachjurorinnen, Medienkünstlerin Prof.in  Dr. in h.c. VALIE EXPORT und Architektin und Professorin für Urbanistik und Architektur an der Kunstuniversität Linz Univ. Prof.in Dipl.-Ing. Dr. in Sabine Pollak sowie für die Grünen Linz Preisstifterin Frauenstadträtin Mag.a Eva Schobesberger die Gewinnerin mit einstimmigem Beschluss und folgender Begründung ermittelt:

"In ihren Arbeiten greift die Künstlerin Bernadette Huber speziell gesellschaftspolitische Themen auf und legt dabei besonderen Wert auf einen feministischen Blickwinkel.Zur Umsetzung ihrer Konzepte verwendet sie verschiedenste Techniken und Medien. Das Spektrum reicht von Grafiken, Malereien, Collagen, Fotografie, Video, Installationen im öffentlichen Raum, bis hin zu Webprojekten.

Im Rahmen ihrer Arbeiten im öffentlichen Raum gelingt der Künstlerin überzeugend mit meist sehr einfachen Mitteln Themen punktgenau zu fokussieren. Immer wieder setzt die Künstlerin Alltagsobjekte als ästhetisches Transportmittel ein, die sie kontextverschoben in eine neue Raum- und Bedeutungssituation einbindet.

Insbesondere die Einreichung der künstlerischen Intervention „Bar NADETTE – Die Macht des Tratsches – the power of gossip. Ein Stresstest für Steyrdorf“, die Bernadette Huber gemeinsam mit Christina Hinterleitner realisiert hat, hat die Jury überzeugt.Bar NADETTE ist die inszenierte Neueröffnung eines Etablissements im Steyrer Wohnviertel Steyrdorf,  die im Herbst 2010 realisiert wurde.

Auf realer und virtueller Ebene greift das Kunstprojekt das vielschichtige Tabu-Thema der ‚Ware: Liebe‘ auf - dabei setzen die Künstlerinnen gezielt auf die diskursive Komponente, die das Projekt durch die Öffentlichkeit mit sich bringt: Das Ereignis spricht sich schnell herum, stiftet Aufregung und setzt in der Stadt gezielt eine breite und polarisierende Auseinandersetzung mit dem Thema Sexualität und der Instrumentalisierung von Frauen in Gang."

www.bernadettehuber.at


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