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am 27. Mai 2013

Preisträgerin 2011

Eva Schobesberger - Katharina Struber - Gewinnerin des Gabriele-Heidecker-Preises 2011

Katharina Struber

Die Einreichung für den Gabriele Heidecker Preis 2011 der Künstlerin Mag.a Katharina Struber zeigt exemplarisch anhand von drei Arbeiten mit Linz- bzw. Oberösterreich-Bezug die Herangehensweise an Fragestellungen des öffentlichen Raums.

Die Gabriele Heidecker-Preisträgerin 2011 studierte von 1991-1997 in Linz an der Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung und lebt und arbeitet heute in Wien. In ihren Arbeiten beschäftigt sich die Künstlerin mit dem urbanen öffentlichen Raum in seiner globalen Erscheinungsform.

Neben der Realisierung permanenter und temporärer Arbeiten im öffentlichen Raum, in Linz, in OÖ, NÖ und Wien, arbeitet die Künstlerin seit 2003 an der Serie "Picture the Multitude". Die großformatigen digitalen Bildbearbeitungen richten den Blick auf Tokyo, Taipeh, Rom, Graz, Wien oder Linz.

Phänomene oder Fragestellungen des öffentlichen Raums sind nicht unbedingt an einen Ort gebunden, aber regionale Fragestellungen, Ortsbezug und historische Recherche zählen zu den Grundlagen zur Entwicklung ihrer Konzepte. Genderspezifische Aspekte wie etwa die historische Entwicklung der Marginalisierung von Frauen spielen ebenso eine wichtige Rolle.

Sichtbarkeit hat hierbei nicht immer etwas mit politischer Handlungsmacht zu tun. So steht die Sichtbarkeit von Sexarbeiterinnen als sexuelle Dienstleisterinnen im radikalen Gegensatz zu ihren politischen Handlungsräumen. Dieses Thema wird in "Lipstick Demands" behandelt. Die Arbeit wurde 2008 für die Neulerchenfelder Straße in Wien entwickelt und 2009 im Rahmen des Projekts „RebellInnen – Geschichten erfahren mit dem Omnibus“ für Linz adaptiert. Die Forderungen von Sexarbeiterinnen nach einer klaren rechtlichen Situation sind ein globales Thema, das regional differenziert betrachtet werden muss.

Die Installation „Lipstick Demands“ kopierte mit den großflächig rot verschlossenen Auslagenscheiben das Erscheinungsbild von Rotlichtlokalen. Die rote Farbe für die monochrome großformatige Hinterglasmalerei wurde aus gespendetem Lippenstift hergestellt. Durch die Lippenstiftspende wurden Bewohnerinnen der Umgebung direkt angesprochen und in das Projekt eingebunden.

In Zusammenarbeit mit LEFÖ und ihrer Kampagne “Sexarbeiterinnen haben Lust auf ihre Rechte“ wurden Bedürfnisse, Wünsche und Forderungen von SexarbeiterInnen zusammengestellt und auf den Auslagenscheiben präsentiert. Über den Zeitrahmen von 3 Wochen, hat die Installation einen Theorieraum zum Thema ‚Sexarbeit und öffentlicher Raum‘ beherbergt.

In dem Symposium 'verdecken|zeigen|entbergen’ wurden in Zusammenarbeit mit der TU Wien Institut für Kunst und Gestaltung Theorieansätze und Praktiken einer kritischen Auseinandersetzung mit Sexarbeit und öffentlichem Raum vorgestellt.

Als dritte Arbeit wurde "Das Gastmahl", ein Kunst am Bau Projekt in der Berufschule für Gastgewerbe in Altmünster vorgelegt - eine Wandgestaltung im Festsaal. Die zweidimensionale Lösung eröffnet vielschichtig Raum und Zeitebenen.

Die Begründung der Jury

Im Rahmen der Jurysitzung am 25. März 2011 im afo - architekturforum oberösterreich wurde von den Fachjurorinnen, Medienkünstlerin Prof.in  Dr. in h.c. VALIE EXPORT, Schauspielerin und Regisseurin Beate Göbel und Architektin und Professorin für Urbanistik und Architektur an der Kunstuniversität Linz Univ. Prof.in Dipl.-Ing. Dr. in Sabine Pollak sowie für die Grünen Linz Preisstifterin Frauenstadträtin Mag.a Eva Schobesberger die Gewinnerin mit einstimmigem Beschluss und folgender Begründung ermittelt:

„Alle eingereichten Arbeiten von Mag.a Katharina Struber zeigen eine vielschichtige Auseinandersetzung mit dem urbanen, öffentlichen Raum. Der Raum wird dabei nicht alleine für ästhetische Installationen beansprucht - sondern vielmehr dringt die Künstlerin in den Raum ein und bereitet gesellschaftspolitisch relevante Themen auf.

Insbesondere das Projekt ‚Lipstick Demands‘ setzt sich in besonderer Weise mit dem öffentlichen Raum und seiner Erscheinungsform auseinander und vereint jene Aspekte, die von der Jury als zentrale und maßgebliche Parameter für die Bewertung der Einreichungen erachtet wurden:

  • Auseinandersetzung mit dem öffentlichen Raum
  • Frauenpolitische, feministische Haltung und Umsetzung
  • Partizipative Ausrichtung

Die Themenfelder Sexarbeit und öffentlicher Raum und im Speziellen das Thematisieren der Situation von migrantischen Sexarbeiterinnen haben eine hohe aktuelle gesellschaftliche Relevanz. Die künstlerische Umsetzung sowie die inhaltliche Bezugnahme zur Verortung des Themas wurden als äußerst gelungen hervorgehoben. Weiters überzeugte dieses Projekt durch den partizipativ angelegten Umsetzungsprozess und den Vernetzungscharakter zwischen den Sexarbeiterinnen, den Vereinen, Einrichtungen und dem Publikum. Durch eine erneute Durchführung von ‚Lipstick Demands‘ im Rahmen des Projekts ‚Rebellinnen‘, wurde der Wirkungsraum Linz mitberücksichtigt. Abschließend wurde die Aufbereitung der Einreichungsunterlagen und die visuelle Darstellung der Projekte von der Jury als umfassend, informativ und als sehr gut gestaltet bewertet.“

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