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am 10. September

Hilfe für Städte im Kampf gegen den Klimawandel

Eva Schobesberger - Die Auswirkungen der Klimakrise auf Städte werden immer spürbarer. Im EU-Projekt Clarity, an dem die Stadt Linz teilgenommen hat sind nun digitale Werkzeuge entwickelt worden, um Maßnahmen gegen Klimagefahren zu setzen.

Im Zuge des europäischen Forschungsprojekts CLARITY (Integrated Climate Adaptation Service Tools for Improving Resilience Measure Efficiency) wurden unter der Leitung des AIT Austrian Institute of Technology neue digitale Lösungen und Werkzeuge für KlimaexpertInnen und StadtplanerInnen entwickelt, um negative Auswirkungen der Klimakrise auf Europas Städte zu analysieren und entsprechende Gegenmaßnahmen abzuleiten. Nun sind die Ergebnisse (Climate Services) für die Stadt Linz, die als Schwerpunktregion zum Thema Hitzebelastung am Projekt beteiligt war, wurden diese sogenannten Climate Services  zum Projektabschluss der Öffentlichkeit präsentiert worden.  

Eingangs strich Umweltstadträtin Eva Schobesberger die hohe Bedeutung von klimaregulierenden Maßnahmen für die Planung von Städten hervor. Die nicht mehr abwendbaren Auswirkungen der Klimakrise müssen noch stärker und vor allem systematisch berücksichtigt werden. Gerade bei Bebauungsentscheidungen müssen sie in den Fokus rücken. Dazu brauchen wir neue Instrumente. Ich freue mich sehr, dass Linz Teil dieses europäischen Projekts sein durfte und hier Tools entwickelt wurden, die Linz und vielen anderen Städten helfen können, um auf die Gefahren der Klimakrise zu reagieren. 

Im Anschluss präsentierten ExpertInnen des AIT die im Projekt entwickelten neuen Planungs- und Simulationslösungen und demonstrierten, wie die sommerliche Hitze in einer Stadt wie Linz um mehr als zehn Grad gesenkt werden kann. „Für die Entwicklung von nachhaltigen Strategien und wirksamen Klimaanpassungsmaßnahmen ist eine laufende Analyse und Aufbereitung von Klimadaten und Informationen für Städte von grundlegender Bedeutung. In CLARITY entwickelten wir daher smarte IT-Systeme, um Klimarisiken und entsprechende Anpassungsmaßnahmen einfacher bewertbar zu machen, damit eine moderne und zielgerichtete sowie nachhaltige Stadtplanung unterstützt werden kann“, erläuterte Projektleiter und Experte für Krisen- und Katastrophenmanagement Dr. Denis Havlik vom AIT Center for Digital Safety & Security.

Berechnung von kühlenden Maßnahmen


Um die zunehmende städtische Hitzebelastung mindern zu können, wurde im Projektrahmen für verschiedene Stadtteile in Linz anhand von Mikro-Klimasimulationen simuliert, welche klimatischen Entwicklungen in diesen Gebieten mit und ohne Anpassungsmaßnahmen zu erwarten wären. Dr.in Tanja Tötzer, Expertin für resiliente Stadtentwicklung vom AIT Center for Energy: „Die Ergebnisse aus dem Projekt zeigen, dass die mittlere jährliche Zahl an Hitzetagen im Zeitraum 2021 – 2050 in der Linzer Innenstadt gegenüber 1971 - 2000 von rund 10 Tagen ohne Gegenmaßnahmen auf durchschnittlich 25 Tage zunehmen wird. Für die durchschnittliche jährliche Anzahl an Tropennächten ist im selben Zeitraum ohne Gegenmaßnahmen ein Anstieg von 18 auf 34 Tagen prognostiziert. Als Grundlage für Wirkungsanalysen von Klima-Anpassungsmaßnahmen dienen uns spezielle Klimasimulationsmodelle. Aus den Mikroklimasimulationen an drei Linzer Standorten wissen wir, dass gezielte und wirksam platzierte Anpassungsmaßnahmen wie Boden-Entsiegelung, Begrünung oder Baumpflanzung, das Stadtklima deutlich kühlen und der Überhitzung entgegenwirken können.“

Mit klimagerechter Planung Linz lebenswert erhalten


Um die Stadt Linz für die Zukunft lebenswert zu erhalten, müssen Klimafragen systematisch in den Mittelpunkt der Stadtplanung gerückt werden. Neben dem CLARITY-Projekt laufen derzeit deshalb auch die Arbeiten an der Linzer Stadtklimaanalyse. Zudem wurde ein mit Expert*innen besetzter Klimabeirat eingerichtet, der die Projekte bewertet, die mit dem 1 Million Euro dotierten neu geschaffenen Klimafonds jährlich finanziert werden sollen. Gemeinsam möchte sich die Stadt aufmachen, sich bis 2025 als „European Green Capital“ zu bewerben.

Lösungen zugänglich für alle Städte und Kommunen


Von den insgesamt 17 europäischen Partnern waren aus Österreich neben dem AIT und der Stadt Linz auch die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG, Wien) sowie die Smart Cities Consulting (SCC, Wien) beteiligt. So wurden in CLARITY auch ähnliche Simulationen für andere europäische Städte wie etwa für Stockholm (Schweden) oder Neapel (Italien) durchgeführt. Insgesamt können die Berechnungen auf mehr als 400 städtische Gebiete in Europa angewendet werden – und zwar nicht nur für großstädtische Regionen, sondern auch für kleinere Bezirksstädte, für die innerhalb von 15 Minuten ein zukünftiger städtischer Wärmeinseleffekt abgeschätzt werden kann. Dies macht das Modell als Instrument für eine erste Abschätzung der Klimarisiken in frühen Projektphasen sehr nützlich. 

Alle weiteren Informationen sowie die zur Präsentation gehörige Powerpoint-Präsentation sind unter https://www.linz.at/medienservice/2020/202009_107501.php zu​finden. ​


Textquelle und Foto: Stadt Linz


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