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am 18. January

Gewaltschutz ernst nehmen! Die von der Regierung vorgeschlagenen Maßnahmen sind mehr als enttäuschend

Eva Schobesberger - Männer ermorden Frauen, Österreich hat ein zunehmendes Gewaltproblem. Seit November kündigt die Familienministerin ein Gewaltschutzpaket an. Gestern wurde von der Regierung ein Paket präsentiert, das keine echten Lösungen bringt, dafür neben einzelnen vernünftigen Ansätzen sogar kontraproduktive Elemente aufweist. Der Schlüssel kann nur in Gewaltprävention und Täterarbeit liegen.

Insgesamt wird es eine Änderung der Geschlechterverhältnisse brauchen, um Frauen nachhaltig vor Gewalt zu schützen. Da gibt es in den Frauenberatungsstellen und in den Gewaltschutzeinrichtungen auch eine hohe Anzahl ausgewiesener Expertinnen. Die müssen von der Regierung endlich gehört und in die Entwicklung von Maßnahmenpaketen eingebunden werden​​. Wir leben in einer Welt, die von patriarchalen Strukturen geprägt ist. 

Daher brauchen wir ein Maßnahmenpaket, das an der Wurzel ansetzt. Worum es bei Gewalt gegen Frauen in patriarchalen Gesellschaften geht, hat etwa Alexander Haydn, Psychotherapeut für die Wiener Männerberatung hat gut zusammengefasst: ... Es hat etwas mit Besitz zu tun und mit der Gefahr, den Besitz zu verlieren. So ist, ganz simpel zusammengefasst, die Struktur hinter Gewalt gegen Frauen. In einer patriarchalen Gesellschaft ist das so etwas wie ein Grunddenkmuster. Manche Männer neigen dann dazu, ihren ‚Besitz’ zu verteidigen, oder ihn zu zerstören, damit ihn niemand anderer haben kann."... Genau deshalb ist es für Frauen in Trennungsphasen besonders gefährlich. Quelle: https://kurier.at/.../wenn-niemand-eingreift.../400378580...

Sobald ein potentieller Täter auffällig geworden ist, muss er verpflichtend in die Gewaltprävention. Das gilt ganz besonders, wenn schon eine Wegweisung erfolgt ist. Speziell hier muss die Gewaltspirale unterbrochen werden, damit es nicht zu einer weiteren Eskalation kommt, wenn sich betroffene Frauen etwa zur Trennung entschließen.

Freilich braucht es dazu die flächendeckende Einrichtung entsprechender Männerberatungsstellen mit Expertinnen und Experten, die auf Gewaltprävention spezialisiert sind und auch interkulturelle Kompetenzen nachweisen können, um hier auf die jeweiligen Tätergruppen gezielt reagieren zu können.

Eine neue Telefonnummer wird dagegen keine einzige Gewalttat verhindern. Es gibt seit vielen Jahren die Frauenhelpline, die in Gewaltfällen Beratung und Hilfe anbietet. Jetzt soll ein eigener Notruf, also eine Parallelstruktur irgendwo zwischen Polizei und Helpline etabliert werden. Das ist mehr als kontraproduktiv. In Akutsituationen muss unbedingt die Polizei angerufen werden. Es könnte fatale Folgen haben, wenn wertvolle Zeit zur Rettung eines potenziellen Opfers verloren geht, weil jemand jetzt nicht den Polizeinotruf, sondern irgendeine andere Nummer wählt.

Frauenberatungsstellen müssen gestärkt werden 

Auch die Ankündigung höherer Strafen ist keine Lösung. „Wir wissen, dass der bestehende Strafrahmen nicht ausgeschöpft wird. Da braucht es mehr Personal und eine entsprechende Bewusstseinsbildung bei der Justiz. Wir können die Strafdrohungen verdreifachen. Wenn sich in der Praxis nichts ändert, bringt das gar nichts. 

Es braucht wirkungsvolle Maßnahmen. Das bedeutet: Stärkung der Frauenberatungsstellen, finanzielle Aufstockung der Gewaltschutzeinrichtung und vor allem Täterarbeit. Bislang ist das Gegenteil passiert, Beratungsstellen wurden finanziell gekürzt und Täterprojekten keine Aufmerksamkeit geschenkt. Es braucht den flächendeckenden Ausbau von Männerberatungsstellen. Um langfristig an den Geschlechterverhältnissen etwas zu ändern, wäre die Umsetzung des Frauenvolksbegehrens ein konsequenter Schritt.

Frauenhelpline gegen Gewalt: 0800 | 222 555



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