Am Montag startete im brasilianischen Belém die UN-Klimakonferenz. Sowohl auf globaler als auch lokaler Ebene muss der Kampf gegen den Klimawandel und dessen Auswirkungen forciert werden. Denn der Klimawandel schreitet auch in Linz deutlich voran – das belegen aktuelle klimatologische Auswertungen. Die Temperaturen liegen teils weit über langjährigen Mitteln und Hitzeereignisse wie Tropennächte und Hitzetage treten auch spürbar immer häufiger auf. Besonders markant war der Sommer 2024, der als heißester der vergangenen zwei Jahrhunderte in die Geschichte einging. Selbst der Sommer 2025 nahm trotz Phasen mit Abkühlung Platz 11 der heißesten Sommer seit zumindest der 1960er Jahre ein.
Vor diesem Hintergrund kommt der städtischen Klimavorsorge eine immer größere Bedeutung zu. Der zweite Jahresbericht der Stadt Linz dokumentiert die klimatologische Entwicklung und zeigt den aktuellen Stand der gesetzten Maßnahmen. In Spotlights werden ausgewählte Umsetzungen gesondert hervorgehoben und detailliertere Einblicke gegeben, beispielsweise zu Hitzeschutz, Baumpflanzungen und Biodiversität.
„Der Klimawandel fordert uns auf vielen Ebenen heraus – und genau deshalb setzen wir unser Anpassungskonzept ‚Zukunft Linz‘ Schritt für Schritt um. Klimaanpassung bedeutet für uns nicht nur Schutz vor Hitze, Starkregen oder Trockenheit, sondern auch die Chance, unsere Stadt grüner, gesünder und lebenswerter zu gestalten. Jeder neue Baum, jede kühle Fläche macht Linz widerstandsfähiger und zukunftsfähiger. Der zweite Jahresbericht zeigt klar, was wir bereits gemeinsam erreicht haben – und woran wir weiterarbeiten. Ich danke allen, die sich für ein klimaresilientes Linz einsetzen. Auch kommende Generationen sollen in einer Stadt aufwachsen, in der man gut leben kann“, betont Klimastadträtin Mag.a Eva Schobesberger.
„Die Auswertungen des zweiten Jahresberichts zeigen deutlich: Der Klimawandel macht keine Pause. Mir ist es daher ein zentrales Anliegen, die wissenschaftliche Grundlage für wirksame Maßnahmen weiter zu stärken. Mit dem neuen Mikroklimamessnetz verfügen wir künftig über ein mächtiges Instrument, das es ermöglicht, klimatische Belastungen mit bislang unerreichtem Detailgrad zu erfassen. Mit dieser Datengrundlage können wir Schwerpunkte identifizieren und für diese wirksame Maßnahmen entwickeln.“, führt Stadtklimatologe Mag. Johannes Horak, PhD aus.
Die Auswertung der klimatologischen Daten zeigt eine kontinuierliche Verschärfung der Klimakrise. Die Mitteltemperatur der Klimanormalperiode 1991–2020 liegt in Linz rund 2°C über dem vorindustriellen Niveau. Besonders auffällig sind die Jahre 2018 und 2024, in denen dieser Wert sogar um über 4°C überschritten wurde.
Seit 1990 hat sich die durchschnittliche Zahl der Hitzetage vervierfacht. Tropennächte, also Nächte mit Temperaturen über 20°C, waren in Linz vor 1990 nahezu unbekannt – heute treten sie regelmäßig auf. Der Sommer 2024 war der heißeste seit über 200 Jahren. Auch der Sommer 2025, trotz regnerischem Juli, belegte Platz 11 der heißesten Sommer seit zumindest 1961. Insgesamt lassen sich auch Veränderungen in der öffentlichen Wahrnehmung beobachten: Der als kühl empfundene und regnerische Juli 2025 lag klimatisch in den Top 3 der drittheißesten Juli-Monaten der Jahre 1961–1990 – also einem Zeitraum in dem die Klimaerwärmung in Linz zwar schon messbar, aber noch weniger spürbar war.
In Summe spiegeln sich Klimawandel und die Klimaarbeit der Stadt Linz auch in den Debatten des Linzer Gemeinderates wider, in den Wortmeldungen wird das Thema vermehrt aufgegriffen.
Der Bericht untermauert die fortschreitende Klimaerhitzung in Linz mit eindrücklichen Zahlen und Vergleichen, die eine deutliche Veränderung des lokalen Klimas belegen:
Temperaturanstieg: Die mittlere Temperatur der Klimanormalperiode 1991–2020 in Linz liegt bereits ca. 2 °C über dem vorindustriellen Niveau. In den Jahren 2018 und 2024 wurde dieser Wert sogar um mehr als 4 °C überschritten.
Vervielfachung der Hitzetage: Vor 1990 gab es im Schnitt 6 Hitzetage (Höchsttemperatur ≥ 30 °C) pro Jahr. In den letzten zehn Jahren (2015–2025) waren es durchschnittlich 23 pro Jahr – knapp eine Vervierfachung.
Hitzewellen: Der Sommer 2025 brachte Linz drei Hitzewellen, eine Ende Juni bis Anfang Juli mit fünf Tagen, und zwei im August mit 4 bzw. 5 Tagen. Auf Basis des Tageswerte Datensatzes der offiziellen GeoSphere Austria Daten für die Station Linz-Stadt ergeben sich somit 14 Hitzewellentage (Kysely-Tage). Die Anzahl der Hitzewellentage kann jedoch innerhalb des Stadtgebietes variieren.
Die Hitzewellen im Detail:
Zunahme der Tropennächte: Die Anzahl der Nächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 °C sinkt, hat sich seit dem Jahr 2000 ebenfalls knapp vervierfacht. Der zehnjährige Mittelwert stieg von 2 auf 7, vor dem Jahr 1990 waren Tropennächte eine Ausnahmeerscheinung.
Im Vergleich zu den Hitzetagen ist die Anzahl der Tropennächte viel stärker vom jeweiligen Ort im Stadtgebiet abhängig. Unterschiede ergeben sich dabei aus lokalen Besonderheiten, aber insbesondere auch in Abhängigkeit der Bebauungsdichte und ob Grüngürtel und Grünflächen den städtischen Hitzeinseleffekt aufbrechen. Zusätzlich spielt eine Rolle ob kühle Luftströmungen aus dem Umland für nächtliche Abkühlung sorgen können. Während an den kühleren Messstellen in Ebelsberg und Dornach bzw. an der Rennerschule keine einzige bzw. lediglich eine Tropennacht verzeichnet wurden, waren es bei der Otto-Glöckel Schule nahe der Herz Jesu Kirche sechs.
Im Vergleich zum Hitzesommer 2024 sind dies deutlich geringere Werte, beispielsweise wurden 2024 an der Otto-Glöckel Schule 28 Tropennächte gemessen. Insbesondere aufgrund des regnerischen Julis ergab sich jedoch eine geringere Belastung als 2024. Eine nächtliche Abkühlung war an den Messstellen zumeist gegeben.
Rekordsommer und veränderte Wahrnehmung: Der Sommer 2024 war der heißeste seit über 200 Jahren. Gleichzeitig zeigt der Bericht, wie sich unsere Wahrnehmung verschoben hat: Ein Mai, der uns heute als „deutlich zu kühl“ vorkommt (wie der Mai 2025), entsprach in etwa einem durchschnittlichen Mai im Zeitraum 1961–1990. Der leicht unterdurchschnittlich warme Juli im aktuellen Klimanormal (1991-2020) wäre in der Periode 1961–1990 bereits unter den drei heißesten Juli-Monaten gewesen. Auch entstand so der Eindruck eines stark unterkühlten Sommers des Jahres 2025, obwohl dieser der elft-heißeste seit zumindest 1961 war.
Der vorliegende Jahresbericht 2025 bilanziert den Umsetzungsstand der 30 Maßnahmen des Aktionsprogramms. Unterschieden werden vier Stufen – von einer vorläufigen Zurückstellung, über erste Planungsschritte zur Bearbeitung bis hin zur (laufenden) Umsetzung.
Von den 30 Maßnahmen des ersten Aktionsprogramms zur Klimaanpassung waren zum Ende des Berichtszeitraums elf Maßnahmen abgeschlossen bzw. in laufender Umsetzung, 13 in Bearbeitung, drei in Planung und drei vorläufig zurückgestellt. Vier Maßnahmen wurden erfolgreich umgesetzt, drei befinden sich nun in aktiver Bearbeitung.
Wesentliche Fortschritte wurden erzielt, darunter die Ausarbeitung eines Hitzeschutzplans, die Weiterführung der Baumoffensive zur gezielten Entsiegelung, Begrünung und Schaffung von Flächen zur Regenretention.
Weitere Schwerpunkte sind Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität durch den Abschluss der Wiesenkartierung, bauliche und organisatorische Maßnahmen der Seniorenzentren Linz GmbH zum Schutz der Bewohner:innen vor Hitze und die Stärkung des Fußverkehrs durch den neuen „Masterplan Gehen“.
Highlights des Berichts werden als „Spotlights“ dargestellt, diese stellen wesentliche Fortschritte in der Klimawandelanpassung detaillierter vor:
Hitzeschutzplan: Die Stadt hat einen umfassenden Plan zum Schutz der Bevölkerung vor Hitze entwickelt. Ein zentraler Baustein ist die Aktion „Cooles Linz“, die in einer Pilotphase im vergangenen Sommer 27 kühle, kostenfrei zugängliche Innenräume in Kooperation mit der katholischen Kirche und der Volkshilfe OÖ anbot. Die Seite www.cooleslinz.at gibt eine Übersicht über kühle Orte, Trinkbrunnen und Badeplätze, sowie die aktuelle Hitzewarnstufe.
Masterplan Gehen: Der im Juni 2025 beschlossene Masterplan soll das Zufußgehen in Linz attraktiver, sicherer und barrierefrei gestalten. Er berücksichtigt dabei explizit klimaresiliente Aspekte wie Beschattung und priorisiert Maßnahmen in hitzebelasteten Stadtteilen. Mehr Informationen sind online unter https://www.linz.at/mobilitaet/127305.php zu finden.
Weiterführung der Baumoffensive: Die gezielte Pflanzung von Bäumen in stark versiegelten und hitzebelasteten Stadtteilen wird fortgesetzt. Nach der Begrünung des Neustadtviertels liegt der Fokus nun auf dem Andreas-Hofer-Viertel, einem der am stärksten von Hitze betroffenen Gebiete.
Maßnahmen der Seniorenzentren Linz: Die SZL GmbH setzte am mehreren Standorten bauliche Maßnahmen zum Hitzeschutz, durch diese werden Innenräume vor übermäßiger Sonneneinstrahlung geschützt. Flankierend werden organisatorische Maßnahmen zum Umgang mit Hitzephasen gesetzt.
Aufbau eines städtischen Messnetzes: Um eine fundierte Datengrundlage für zukünftige Maßnahmen zu schaffen, wird ein Netz aus 50 Mikroklima-Messstationen im gesamten Stadtgebiet errichtet. Die Standorte wurden auf Basis hochauflösender wissenschaftlicher Simulationen (PALM-4U) ausgewählt, um die klimatischen Bedingungen in verschiedenen Stadtteilen präzise zu erfassen. Das Messnetz befindet sich seit September 2025 in einem ersten Testbetrieb.
Abschluss der Wiesenkartierung: Auf 475 Hektar wurden städtische Wiesenflächen kartiert, um deren ökologischen Wert zu erfassen und die Pflege zu optimieren. Dabei wurden 37 Potentialbiotope sowie besonders schützenswerte Flora-Fauna-Habitat-Lebensraumtypen und Vorkommen gefährdeter Pflanzenarten identifiziert.
Forschung zur Anpassung: Die Abteilung Stadtklimatologie und Umwelt hat umfassende Methoden entwickelt. um bestehende Datensätze zum Baumbestand zu analysieren und vergleichen. Diese können, beispielsweise im Kontext der EU-Wiederherstellungsverordnung, potenziell als Tool zum Monitoring des städtischen Baumüberschirmungsgrades eingesetzt werden.
Im Vergleich zum Vorjahr 2024 gab es beim Großteil der 30 Maßnahmen aus dem ersten Aktionsprogramm zur Klimawandelanpassung Fortschritte, nur eine Maßnahme (Nr. 6, Überarbeitung der Checkliste für Hochhäuser) wurde aufgrund eines Wechsels in der Projektleitung vorübergehend pausiert.
Im Vergleich zum Vorjahr wurden mehrere Maßnahmen weiterentwickelt: Drei Maßnahmen gingen in die Bearbeitung über (thermische Belastung von Schulen und Seniorenzentren, Klimaresilienz-Standards für Gebäude und Schadensmonitoring). Vier Maßnahmen wurden umgesetzt (u. a. Biotopkartierung, Trinkbrunnen, klimafitte Wälder).
Text- und Fotoquelle: Stadt Linz