Während die technologischen Möglichkeiten den Alltag vieler Unternehmen rasant verändern, ist die städtische Wirtschaftsförderung nahezu unverändert. Daher schlagen die Grünen im Gemeinderat hier einen Paradigmenwechsel vor. Künftig soll die Stadt nicht wie bisher einfach nur Förderungen vergeben, sondern gezielt Aufgabenstellungen ausschreiben, um im ersten Schritt eine innovative Pilotlösung zu bekommen und einen gemeinsamen Entwicklungsprozess mit Start-ups zu starten. Ein zusätzlicher Fördertopf ist dazu nicht notwendig, vielmehr sollen vorhandene Gelder anders ausgegeben werden.
„Indem Linz zur Innovationsplattform, Testumgebung und Auftraggeberin wird, trägt die Stadt dazu bei, die Einführung smarter Lösungen im Alltag zu beschleunigen. Das stärkt den Innovations- sowie den Wirtschaftsstandort und erleichtert zugleich das Leben vieler Bürger:innen“, macht Gemeinderat Bernhard Seeber die Vorteile deutlich.
Weniger Stau, geringerer Energieverbrauch in öffentlichen Gebäuden, bessere Verwaltungsprozesse: Das sind nur drei Beispiele, bei denen neue Technologien zu Verbesserungen im Alltag der Menschen einen entscheidenden Beitrag leisten können.
„Viele gute Ideen, die unser aller Leben einfacher machen, scheitern aber nicht an der Technologie, sondern daran, dass sie nie im Alltag getestet werden können. Genau hier können Städte als Auftraggeber innovativer Aufgabenstellungen eine entscheidende Rolle spielen, damit neue Lösungen einfacher von der Idee zur Umsetzung unter realen Bedingungen gelangen können. Gleichzeitig kann die Stadt zur wichtigen Impulsgeberin und emotionalen Stütze für lokale Start-ups werden, die so an ihre ersten Aufträge gelangen, erste Erfolge erzielen sowie erste Umsätze einfahren können“, verspricht sich Seeber von dem „Innovation Procurement“ genannten Modell viele Vorteile.
Damit das gelingt, sollen für die Herausforderungen, die eine Stadt zu bewältigen hat, gezielte Innovations- und Wirkungsfelder definiert werden. Start-ups und Unternehmen erhalten Zugänge zu wichtigen Parametern wie entsprechenden Daten und Infrastruktur, um Lösungen unter realen Bedingungen zu entwickeln und zu testen. Ziele und messbare Ergebnisse sind dabei klar definiert. Vorbild dafür ist insbesondere die finnische Stadt Helsinki, die zunehmend zur aktiven Innovationsplattform wird, die neue Lösungen gezielt ermöglicht, testet und zur Marktreife bringt.
„Dieses Modell ist ein komplett neuer Weg in der Beschaffung und eine strategische Weiterentwicklung der Linzer Innovations- und Wirtschaftsförderung. Öffentliche Mittel werden nicht mehr primär verteilt, sondern strategisch und konzeptionell eingesetzt. Wir müssen weg von klassischen Zuschüssen und Einzelförderungen hin zu einer aktiven Rolle der Stadt als zentrale Mitgestalterin des Wirtschaftsstandortes“, betont Seeber.
Bereits jetzt verfügt die Stadt Linz mit laufenden Digitalisierungs- und Smart-City-Initiativen über bestehende Grundlagen sowie dank wichtiger Partner wie der Johannes-Kepler-Universität und dem Ars Electronica Center über ein starkes Innovationsumfeld mit kreativen und technologischen Impulsen. „Diese Aktivitäten sind jedoch überwiegend projektbasiert, eine durchgängige Innovationsstruktur der Stadt, die zugleich als ‚intelligenter Kunde‘ und Testplattform agiert, fehlt aber und muss daher der nächste Schritt sein“, setzt sich der Wirtschaftssprecher der Grünen Linz dafür ein, dass sich die Stadt Linz als umfassender „Urban Innovation Hub“ positioniert.