Frauen* müssen hart und ausdauernd für ihre Rechte kämpfen. Das ist die klare Botschaft des internationalen feministischen Kampftages am 8. März. „Feminismus bedeutet Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Frauen und eigentlich alle Menschen für sich selbst sprechen und frei über ihre individuellen Lebensentwürfe entscheiden können. Es geht um ein Leben ohne Gewalt, frei von Rollenzwängen und Diskriminierungen. Aktuell erleben wir einen Backlash. Überkommene Rollenbilder werden verstärkt propagiert, Frauen in ökonomische Abhängigkeiten gedrängt. Strukturen, die Gewalt fördern, erstarken. Deshalb braucht es feministisches Engagement, dafür braucht es uns alle, um gemeinsam beharrlich und solidarisch an einem Strang zu ziehen“, macht Frauenstadträtin Eva Schobesberger deutlich.
Dank der besonders engagierten feministischen Szene finden anlässlich des 8. März in Linz wieder viele Aktionen und Veranstaltungen statt. „Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, eine gerechte Zukunft zu gestalten. Die Vielfalt der Veranstaltungen rund um den Internationalen Frauentag zeigt die Breite der feministischen Bewegung in unserer Stadt und ist ein klares Signal: Wir sind viele und kämpfen gemeinsam“, ruft Schobesberger insbesondere zur Teilnahme an der vom „Bündnis 8. März“ mit „Do It Yourself“ organisierten Demo diesen Sonntag auf (Beginn 14 Uhr beim Musiktheater).
Was feministisches, beharrliches und solidarisches Handeln zu erreichen vermag, hat sich vergangene Woche gleich mehrfach gezeigt. So ist es dank einem breitgetragenen gemeinsamen Engagement von Aktivistinnen, Frauenorganisationen und Politik gelungen, die dringend benötigte Gewaltambulanz im KUK zu ermöglichen. Auf europäischer Ebene hat unterdessen die Initiative „My Voice, My Choice“ die europäische Kommission passiert. „Das ist feministische Politik in Aktion: Beharrlich, solidarisch und erfolgreich. Dadurch zeigt sich, was wir erreichen können, wenn wir gut organisiert gemeinsam handeln“, streicht Schobesberger diese Erfolge für den Gewaltschutz und die Selbstbestimmung hervor.
Dass auch in Linz das Gemeinsame in der Frauenpolitik im Mittelpunkt steht, hat sich bei der einstimmigen Juryentscheidung für den städtischen Frauenpreis 2026 einmal mehr gezeigt. Die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung hat die Beratungsstelle LENA der Caritas für ihr langjähriges Engagement für die Rechte und Selbstbestimmung von Sexarbeiter:innen erhalten. „Damit ist eine ganz besondere Einrichtung gewürdigt worden, die nicht bevormundet, sondern stärkt. Die nicht moralisiert, sondern solidarisch handelt, eine Einrichtung, die nicht über Menschen spricht, sondern mit ihnen. Sexarbeiter:innen sind keine Projektionsflächen, sie sind keine Opfermythen und keine Schlagzeilen. Sie sind Menschen mit Rechten“, verweist Schobesberger auf das nach wie vor bestehende patriarchale System, in dem weibliche Körper seit Jahrhunderten reguliert, bewertet und kontrolliert werden. Dass strukturelle Gewalt gegen Frauen bis heute alltäglich ist und wie Macht, Geld, Einfluss und männliche Netzwerke dabei schützen und stützen, zeigt die Causa Epstein derzeit deutlich. Ebenfalls besonders drastisch vor Augen geführt hat dies der Fall von Gisèle Pelicot. „Gewalt gegen Frauen ist kein Ausrutscher, sondern in dieser Form möglich, weil wir Strukturen haben, die das ermöglichen“, benennt Schobesberger das strukturelle Grundproblem.
Gleichzeitig sind Männer überall dort überrepräsentiert, wo es um Macht und Geld geht, Frauen* überall dort wo es um unbezahlte und oft unbedankte Sorgearbeit geht. „Dieser Entwicklung müssen wir uns jeden Tag mit aller Kraft entgegenstellen. Nur von Gleichstellung zu reden, ist zu wenig, sie muss endlich Teil unseres Alltags werden. Es kann nicht sein, dass Frauen* für die gleiche Arbeit weniger Geld als Männer bekommen oder weniger oft Führungspositionen erhalten, nur weil sie eben Frauen* sind. Wir wollen eine gerechtere Gesellschaft und davon unsere Hälfte“, so Schobesberger.
Deshalb ist es der Linzer Frauenstadträtin ein besonderes Anliegen, in ihrem Ressort mit vollem Einsatz das ganze Jahr über für ein gewaltfreies Leben, die Rechte und die Gleichstellung von Frauen* und Mädchen* zu arbeiten und die Bewusstseinsbildung voranzutreiben. „Wir wollen auf die unglaublichen gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten, die immer noch herrschen, aufmerksam machen. Gleichzeitig setzen wir präventive Maßnahmen für ein gewaltfreies Leben für alle“, informiert Schobesberger.
Konkret werden Projekte wie z.B. „StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt“ unterstützt. Um bei Gewalt sowie Übergriffen rasch Hilfe zu bekommen, weisen seit Kurzem 48 STOP-Schilder an 26 Standorten auf Notrufnummern hin, die rund um die Uhr erreichbar sind. Rasche Unterstützung zu gewährleisten ist auch das Ziel der Initiative LUISA, die auf Prävention von Belästigung und Gewalt im Nachtleben abzielt. Gemeinsam mit FIFTTITU% hat das Frauenbüro die Awareness-Kampagne gegen K.O.-Tropfen ins Leben gerufen, die auch auf eines besonders hinweist: ‚Schuld‘ sind immer die Täter, niemals die Betroffenen. Die Scham muss die Seite wechseln!
Fotocredit: Violetta Wakolbinger