Die Debatte rund um Franz Dinghofer hat neue Aktualität gewonnen, nachdem FPÖ-Nationalratspräsident Wolfgang Rosenkranz am 11. November 2025 im Parlament ein „Franz-Dinghofer-Symposium“ ausrichtete. Damit wurde die gesamtgesellschaftliche Diskussion über den Umgang mit historischen Persönlichkeiten, die im Nationalsozialismus belastet sind, erneut angestoßen.
Franz Dinghofer (1873–1956) war deutschnationaler Politiker und von 1907 bis 1918 Bürgermeister der Stadt Linz. Er vertrat antisemitische Positionen und war nachweislich seit 1940 Mitglied der NSDAP. Bereits im April 2019 brachten die Grünen und die KPÖ einen Antrag ein, der eine wissenschaftliche Aufarbeitung der NS-Verstrickungen Dinghofers sowie eine entsprechende Kontextualisierung der Straßenschilder der Dinghoferstraße forderte. In der Folge wurde eine vom Gemeinderat eingesetzte Historiker:innenkommission beauftragt, belastete Straßennamen zu prüfen. Ihr Abschlussbericht wurde 2022 präsentiert.
Auf Grundlage dieses Berichts wurden bisher vier Straßennamen geändert – jene von Bischof Johannes Maria Gföllner, Komponist Hans Pfitzner, Autokonstrukteur Ferdinand Porsche sowie Unterhaltungskünstler Franz Resl. Franz Dinghofer wurde von der Kommission in die zweite Belastungskategorie eingestuft, da sowohl antisemitische als auch nationalsozialistische Bezüge eindeutig nachgewiesen wurden. Dennoch wurden weder die nach ihm benannte Straße noch seine Ehrenbürgerschaft der Stadt Linz bislang hinterfragt.
Angesichts der klaren historischen Fakten fordern KPÖ und Grüne nun in einem gemeinsamen Antrag die Prüfung einer Umbenennung der Dinghoferstraße sowie die Aberkennung der Ehrenbürgerschaft Franz Dinghofers. Dies sei ein notwendiger Schritt, um ein klares Zeichen gegen Antisemitismus und die Verharmlosung nationalsozialistischer Ideologie zu setzen.
Fraktionsvorsitzende Gerlinde Grünn: „Würdige Linzer Persönlichkeiten, die eine Straßenbenennung verdienen, gibt es genug. Es ist höchste Zeit, mutige Frauen statt antisemitische Nationalsozialisten zu ehren!“
Fraktionsvorsitzender Helge Langer: „Als bekennender radikaler Antisemit und NSDAP-Mitglied war Franz Dinghofer ein ideologischer Wegbereiter des Nationalsozialismus und spielte eine aktive Rolle bei Entrechtung und Ausgrenzung von Menschen. Die Entscheidung, einer derart belasteten Person einen Platz im öffentlichen Raum zu geben, muss daher dringend überdacht werden.“