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27.01.12 14:52

Linzer Gemeinderat: Doppelbödige SPÖ verhindert zeitkritische historische Zusatztafel für Jahn-Denkmal im Volksgarten

Ehrerbietungen für Dollfuß für SPÖ „schlichtweg nicht angemessen“, unkommentiertes Jahn-Denkmal aber kein Problem – Doppelbödige Geschichtsverklärung untragbar

„Dass die Linzer SPÖ im gestrigen Gemeinderat nicht dazu bereit war, den Grünen Antrag zu unterstützen, das Jahn-Denkmal mit einer Zusatztafel zumindest in einen zeitkritischen historischen Kontext zu stellen, ist nicht nur enttäuschend, sondern zeigt auch von deren einseitiger sowie unreflektierter Einstellung zur Geschichte der Stadt Linz“ kritisiert die Linzer Grüne Klubobfrau Gerda Lenger.

Wenn man bedenkt, in welchem ideologischen Zusammenhang das Denkmal 1905 errichtet wurde – „Turnvater“ Jahn gilt unter PolitologInnen und HistorikerInnen als „Urahn des Rassismus und aggressiven Nationalismus“, der die Turnbewegung zum Zweck gründete, die Jugend „durch Leibesübungen waffenfähig“ zu machen und als Vorbereitung für den Krieg gegen Frankreich – ist eine kritische Auseinandersetzung mit dem Denkmal mehr als notwendig“. Dennoch wird im Linzer Volksgarten ganz offiziell, aber ohne erklärende Worte des Friedrich Ludwig Jahn gedacht.

„Für ein lehrreiches Verständnis der Zusammenhänge und im Sinne einer kritischen Gedenk- und Erinnerungskultur wollten wir das Denkmal zumindest um eine erklärende Zusatztafel erweitern. Dass die Linzer SPÖ nicht einmal dazu bereit ist, – anders als ihre Kollegen in Graz, die bei einem entsprechenden Jahn-Denkmal in der Steiermark seit Jahren eine Zusatztafel fordern – ist völlig unverständlich“, so Lenger.

Hier zeigt sich auch die Doppelbödigkeit der SPÖ: Bei diversen Dollfuß-Gedenktafeln forderte die SPÖ stets erklärende Zusatztafeln. SP-Klubobmann Frais hielt es 2006 für „schlichtweg nicht angemessen für öffentliche Orte, wenn Würdigungen an historisch höchst umstrittene Persönlichkeiten wie Dollfuß unkommentiert bleiben. Für ihn zeichnete „die differenzierte Haltung zur Geschichte, insbesondere auch zur eigenen Geschichte, die Mitglieder einer funktionierenden Demokratie aus“. (http://www.spoe-klub-ooe.at/17124+M54a2264769e.html).

„Anders als bei  Dollfuß scheinen Zusatztafeln bei Jahn-Denkmälern für die Linzer SPÖ völlig unnötig. Hier wird doppelbödige Geschichtsverklärung betrieben, das ist untragbar“, so Lenger. „Es wäre schön, wenn Frais seinen Parteifreunden aus Linz ein wenig Nachhilfe in Geschichte und politischer Bildung geben könnte. Schließlich geht es dabei um das Vermeiden einer völlig unangebrachten Ehrerbietung“, so Lenger.

Von: Die Grünen Linz